Damals

Wir haben bei uns derzeit eine Patientin, die unter anderem an Altersdemenz leidet, liegen. Sie singt nachts sehr gerne. Keiner von uns hat etwas dagegen, weil es sich noch recht passabel anhört.

Der Umgang mit solchen Menschen ist nicht immer ganz leicht, da sie in ihrer eigenen Welt leben. Letztens hat sie also wieder eins ihrer Lieder zum besten gegeben. Ich war grad auf Zimmerhöhe, als ich ein bestimmtes Wort wahrnahm. (Ich gehe da jetzt nicht weiter drauf ein, aber ihr werdet gleich wissen welches ich meine). Ich blieb also stehen und hörte kurz weiter zu, als eine Kollegin kam. Der Dialog ziwschen uns lief dann so ab:

Sie: Über was wird denn da gesungen?
Ich: Sie singt Lieder über einen Österreicher!
Sie: Über einen bestimmten?
Ich: Ja.
Sie: Das geht ja gar nicht!

Nach kurzem Überlegen bin ich dann zu der Patientin ins Zimmer und habe Ihr gesagt dass “Er” um Ruhe gebeten hat, weil er sonst nicht schlafen könne. Zum Glück hat der Satz bei ihr gewirkt. Den Rest der Nacht war sie dann ruhig.

2 Kommentare zu “Damals”

  1. drgeldgier

    Während sich diese armen Menschen neue Dinge nicht mehr merken können, sind frühere Erlebnisse, vor allem aus der Kindheit, wie ein Tattoo ins Gehirn gebrannt. Mein Großvater kam deshalb auch immer in den Krieg zurück und das nicht, weil er der braunen Fraktion angehörte, um sich in Deiner diplomatischen Art zu äußern.

  2. Onkel Jojo

    Ich finde du hast das “Problem” gut gelöst. ;-) Ich glaube ich wäre zunächst ein wenig perplex gewesen und bin mir nicht sicher, ob ich ein so kreatives Argument gefunden hätte, damit die Dame nicht mehr singt.

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