Faule Polizisten

Mel am 25. Juli 2010 um 15:47

In einigen Geschichten habe ich ja schon angedeutet, dass wir uns gegenseitig während der Pausen vertreten.  Da es auf der Station selbst ruhig war, trank ich erstmal schnell einen Kaffee. Als ich ihn fast auf hatte, bemerkte ich Krach von draussen. Ich sah hinaus und entdeckte Jugendliche, die schrien, die Musik aufdrehten und Flaschen durch die Gegend schmissen.

Da sie aber nicht aufhörten und ich fürchtete, dass es Unruhe auf die Station bringen würde, verständigte ich die Polizei. Unser Dialog verlief ungefähr so:

Ich: Könnten Sie bitte zum xyz Krankenhaus kommen? Hier randallieren Jugendliche.

Polizist: Was genau machen die?

Ich: Laute Musik hören, rumschreien und mit Gegenständen werfen.

Polizist: Könnten Sie da nicht eben selber rausgucken und die Situation evtl auflösen?

Ich: Mal abgesehen davon, dass ich auf Station xyz bin und diese nicht verlassen darf, möchte ich auch gar nicht raus gehen. Dafür sind sie zuständig.

Polizist: Nagut, es kommt gleich wer vorbei.

20 Minuten später kam dann auch endlich eine Streife…

Hirnschlag

Mel am 21. Juli 2010 um 14:56

Vor ein paar Tagen schrieb mich Kristina an. Ihre Mutter hätte einen Hirnschlag erlitten und sie wäre mit dieser Diagnose völlig überfordert. Ihre Mutter liegt seitdem im Koma und sie wusste nicht, wie sie sich jetzt verhalten solle.

Ich gab ihr daraufhin ein paar Ratschläge, wie immer mit ihr zu reden und sie so zu behandeln wie sonst auch. Sie fragte auch nach meiner Meinung bezüglich des Pflegepersonals. Ich kann natürlich nicht sagen wie das Personal des Krankenhauses arbeitet, aber ich habe ihr erklärt was in Ärzten und Schwestern vorgeht bei solchen Patienten. Wir dürfen uns solche Schicksale nicht sehr zu Herzen nehmen. Wir haben tagtäglich mit solchen und anderen Diagnosen zu tun und da muss man schon eine Schutzmauer um sich aufbauen.

Heute schrieb mich Kristina wieder an. Ihre Mutter hätte über Nacht hoch gefiebert und sie wollte wissen woran es liegen könne. Ich kenne aber leider ihre Akte nicht und kann daher nicht viel dazu sagen, aber im Allgemeinen ist es so, dass der Körper mit Fieber gegen irgendwas vorgeht.

Ich kann einfach aus der Ferne nicht viel zu allem sagen. Ihrer Bitte, darüber mal zu berichten komme ich natürlich gerne nach. Vielleicht hat der eine oder andere auch einen Komapatienten in der Familie und mag von seinen Erlebnissen berichten.

Übrigens hat Kristina diesen Artikel vor Veröffentlichung gelesen und war einverstanden, dass ich ihn so veröffentliche.

Wette

Mel am 12. Juli 2010 um 16:39

Gestern war ja das WM Finale. Natürlich saßen auch meine Patienten alle vorm TV und fieberten mit. Die Meinungen, wer Weltmeister wird, war gemischt.

Ich entschloss mich auf die Krake zu hören, und war der Überzeugung, dass Spanien gewinnt. Bei einem Patienten löste ich mit dieser Meinung den Wunsch aus, mit mir eine Debatte darüber zu führen, dass es ja wohl nicht sein könne, wenn Spanien das Spiel macht. Wir wetteten daraufhin um ein Eis.

Ich widmete mich dann erstmal meinen weiteren Patienten, und sah immer mal wieder nach, wie der Stand war. Als ich gerade wieder nachgucken wollte, klingelte der Patient schon, um mir zu sagen, dass Spanien gewonnen habe. Natürlich regte er sich noch etwas über das Spiel im Ganzen auf, aber er hatte die Wette nunmal verloren, und ich bekomme in meiner nächsten Schicht nun ein Eis. :)

Rückruf

Mel am 7. Juli 2010 um 13:56

Nicht nur in der Autobranche gibt es Rückrufaktionen. Im Krankenhaus können sie durchaus auch mal vorkommen.

So lag bei uns nun ein Schreiben aus, mit der Bitte, doch ein gewisses Medikament mit entsprechender Chargenbezeichnung bitte zurückzu schicken, da in einer Flasche ein Metallteil der Abfüllmaschine gefunden wurde.

Entsprechende Flaschen werden nun zurückgeschickt und durch neue ersetzt.

Wieder da

Mel am 1. Juli 2010 um 16:52

So, mitlerweile geht es mir wieder etwas besser. Einen Virus oder ähnliches habe ich mir nicht eingefangen. Mein Körper hat nur etwas nach Ruhe verlangt. Ich werde die Tage auch wieder anfangen zu arbeiten. Das Blog wird dann auch wieder gepflegt. Danke für die vielen Genesungswünsche und bis die Tage. :)

Krank

Mel am 22. Juni 2010 um 12:20

Da ich seit gestern krank geschrieben bin, wird es hier die nächsten Tage etwas ruhiger sein. Wenn mir aber etwas Blogbares unter die Augen kommt, werde ich natürlich schreiben. Ihr könnt mir natürlich auch noch eigene Erlebnisse zukommen lassen. Es gab zwar schon einige Geschichten, aber die bezogen sich dann meistens nur auf Gespräche mit dem Arzt über das Krankheitsbild.  Diese sind zwar auch gut, aber ich bin eher auf der Suche nach lustigen oder peinlichen Erlebnissen.

Münchhausen Syndrom?

Mel am 20. Juni 2010 um 11:54

Es gibt ja Patienten die unebrechenbar sind. Einige stöpseln sich selbst ihre Infusionen ab und realisieren nicht, dass es gefährlich sein kann bzw ist. Andere schlagen die Warnungen der Ärzte in den Wind, die ihnen verbieten für den Rest des Tages aufzustehen.

Dieser Mann allerdings (glaube ich) wollte, dass wir uns Sorgen um ihn machen. Er stand z.B auf, obwohl der Arzt dies untersagt hatte.  Mit dieser Geschichte ging er allerdings zu weit.

Es war der Abend vor seiner OP. Er klingelte als wir gerade mit der Übergabe fertig waren. Ich ging zu ihm ins Zimmer und er fuchtelte ganz aufgeregt mit den Händen. Er wäre aus Versehen an den Perfusor gekommen, über den das Heparin lief. Dieser stand nun auf 33.0. In seinem Fall hätte er auf 2.0 stehen müssen. Er entschuldigte sich tausendmal. Da er aber schon häufiger ähnliche Dinge gebracht hatte, ignorierte ich diese Beteuerungen. Nachdem ich ihn wieder richtig eingestellt hatte, verließ ich das Zimmer um mit dem Arzt zu telefonieren.

Der Arzt wies mich dann an, den Perfusor abzuschalten. Ich ging also wieder zurück ins Zimmer, machte ihn aus und wollte eigentlich gerade wieder das Zimmer verlassen, als er fragte wie es den nun mit seiner OP aussähe? Ich entgegenete nur, dass der Arzt gleich käme und er das mit ihm besprechen müsse.

Im Schwesternzimmer angekommen, rechnete ich mir aus wie lange der Perfusor schon auf dieser Stufe gelaufen war, und teilte dies dann auch dem Arzt mit. Ich glaube wie gesagt nicht an ein Versehen, denn dieser Patient hatte schon häufiger “Mist” gebaut.

Nachname?

Mel am 16. Juni 2010 um 12:24

Das die Pausen zwischen den Blogeinträgen nicht zu lang werden, habe ich mir zwei Geschichten aufgehoben. Eine erzähle ich heute, die andere die Tage.

Ich erledigte gerade etwas im Schwesternzimmer, als eine junger Mann (geschätzte 18) an die Tür klopfte. Er fragte mich, ob bei uns eine Katrin liegen würde. Ich guckte schnell auf unsere Patientenliste und verneinte. Daraufhin  bot ich ihm an, schnell im Computer auf den anderen Stationen nachzugucken und fragte ihn, ob er mir den Nachnamen geben könne.

Er guckte mich verlegen an und sagte, dass er ihn nicht wüsste. Ich konnte so leider nichts für ihn tun und so schickte ich ihn mit den Worten: “Dann frag am besten wen, der sie kennt” nach Hause. Ich frage mich nun allerdings in welcher Beziehung er zu einer Person steht, dessesn Nachnamen er nicht kennt!?

WM im Krankenhaus

Mel am 14. Juni 2010 um 14:09

Die WM macht auch vor Krankenhäusern nicht halt. Auch bei uns fand gestern ein Public Viewing statt. Die Stimmung war gut und teilweise konnte man jedes der vier Tore über alle Etagen hören.

Auch die Patienten die das Bett hüten mussten hatten ihren Spass. Da wir das Spiel leider nicht so verfolgen konnten, klingelten die Patienten immer um uns auf den neuesten Stand zu bringen. Als Müller in der 68ten und Cacau in der 70ten Minute die Tore schossen, war der Jubel natürlich groß, denn nun war der Sieg so gut wie sicher.

Nun fiebern alle natürlich den anderen Spielen entgegen und wir hoffen natürlich alle, dass wir auch Weltmeister werden.

What a Night

Mel am 11. Juni 2010 um 14:48

Wie der Titel vermuten lässt war es heute Nacht sehr stressig. Es fing alles ganz ruhig an. Ich machte wie immer meine Runde, als mich die Zentrale anrief und mich fragte ob ich Zeit hätte. Ich bejahte und er fuhr fort. Es wäre soviel los und er hätte einen Patienten mit Atemnot sitzen der dringend in die Ambulanz müsse. Ich brach meine Runde ab, sagte auf der Nachbarstation Bescheid und ging nach unten.

Mit dem Patienten in der Ambulanz angekommen stürmten direkt Angehörige auf mich ein. Die Schwester mitsamt Ärztin wären ohne ein weiteres Wort verschwunden und sie wollten wissen wie es nun weitergehe. Ich ging kurz zu den beiden Patienten die in den Behandlungsräumen saßen, fragte ob alles ok sei oder sie etwas brauchen würden und rief dann in der Zentrale an, um zu erfahren wo die Kolleginnen abgeblieben sind.

Ich erfuhr, dass das Notfallteam auf unsere Herzstation gerufen wurde. Um den Unmut der wartenen nicht noch höher zu treiben, blieb ich in der Ambulanz bis beide wiederkamen. Nun konnte ich mich wieder meiner Arbeit widmen.

Bei mir auf der Station angekommen machte ich die Runde weiter. Die Patienten waren alle sehr unruhig und klingelten sehr häufig aus unterschiedlichen Gründen. Nachdem etwas Ruhe eingekehrt war, musste ich mich auch schon auf den Weg zur Pausenvertretung  machen. Zum Glück war es dort ruhig.

Nach der Vertretung ging ich mit dem Wunsch zurück, dass es noch so ruhig war wie vor der Vertretung. Dieser Wunsch erfüllte sich leider nur für 10 Minuten. Als mein Telefon klingelte, ahnte ich schon nichts gutes und ich sollte recht bekommen. Die Kollegin der Nachbarstationen rief an und bat mich sofort rüberzukommen. Ich ging also schnell rüber und sah, dass sie bereits 2 Patienten auf den Flur geschoben hatte.

Sie erzählte mir kurz, dass die beiden sich den Katheder und die Viggo gezogen hätten und auch sonst leicht aggressiv wären. Sie bat mich etwas auf die beiden zu achten, da sie noch einen Patienten hätte, der im Sterben läge. Im gleichen Moment kam ein dritter Patient auf den Flur. Ich fragte ihn, ob er was brauchen würde oder er mal müsse. Er sah die beiden Patienten auf dem Flur und fing an sich aufzuregen. Er könne nicht verstehen wie es hier zugehen würde und die Polizei würde das ganz sicher interressieren. Ich versuchte ihn zu beruhigen und die Situation zu klären, aber es half nichts.

Er steigerte sich dermassen rein, dass er sogar handgreiflich wurde und rumschrie. Nachdem alles überhand nahm, rief ich nach der Kollegin und wir bugsierten ihn zu zweit ins Bett. Da er dort aber richtig aufdrehte fixierten wir ihn und riefen den Arzt an. Dieser gab ihm dann ein Beruhigungs- und schlafmittel.

Als sich alles etwas beruhigt hatte, konnte ich mit mitlerweile knurrendem Magen endlich wieder auf meine Station. Solche Nächte brauche ich wirklich nicht immer….